Hanns Georgi zählt zu den prägenden Chronisten Sebnitz' im 20. Jahrhundert. Im Zentrum seines malerischen Schaffens standen pastos ausgeführte Ölporträts, die Sebnitzer Bürgerinnen und Bürger bei ihrer alltäglichen Arbeit zeigen: die Kunstblumenheimarbeiterin an ihrem Tisch „blümelnd“ inmitten von Draht und Stoff sich ihre Welt erschaffend, den Schuster hämmernd über dem Leisten gebeugt, den Schmied mit einem vom Feuerschein gezeichneten Gesicht. Alle dargestellten Personen sind namentlich überliefert, keine anonymen Typen, sondern konkrete, in Sebnitz bekannte Persönlichkeiten inmitten ihrer Tätigkeiten, ihres Handwerks. Damit knüpfte Georgi erkennbar an Ilse Ohnesorges Darstellungen der Handweberfamilien an, die ebenfalls ein bereits im Verschwinden begriffenes Gewerbe festhielten. Beiden Künstlern ging es darum, aussterbenden Berufen und den Menschen dahinter Gesicht und Würde zu bewahren, bevor sie aus dem Alltag der Stadt verschwanden. Georgi setzte ihnen so ein farbenfrohes, unmittelbares Denkmal – mit genauer Beobachtungsgabe, kräftigem Pinselduktus und leuchtender Farbigkeit auf die Leinwand gebannt.
Neben diesen Menschenbildern malte er immer wieder die Landschaft der Sächsischen Schweiz, besonders die weiten Aussichten von der „Hohen Straße“ auf Felsen, Wälder und das Elbsandsteingebirge. Auch das Sebnitzer Stadtleben hielt er wiederkehrend fest: den Jahrmarkt mit seinem bunten Treiben ebenso wie bauliche Veränderungen, etwa den Neubau der Wohnhäuser in der Schillerstraße ab Ende der 1960er Jahre – Zeugnisse eines sich wandelnden Stadtbilds.
Im Herbst planen die Städtischen Sammlungen Sebnitz eine Sonderausstellung zu Georgis „Menschenbildern".
Stefan Auert-Watzik
